Coaching als Prozeß: Der Weg ist das Ziel

orange Coaching

Wie funktioniert Coaching und vor allem: Wie läuft Coaching ab?

Eric Lippmann, Professor für Supervision und Coaching an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, skizziert in der gerade erschienenen zweiten Auflage seines Übersichtswerks Coaching den typischen Coachingprozess.

Vorher grenzt er Coaching von Training, Mentoring, Supervision und Psychotherapie ab. Coaching ist danach „eine professionelle Form individueller Beratung im beruflichen Kontext“ (S. 19) mit konkreten Zielen, einem professionellen Coach und einem transparenten Beratungsprozess. Dieser Prozess kann in folgenden typischen Phasen ablaufen:

Kontakt

Nach erster (telefonischer) Kontaktaufnahme kommt es zum ersten Treffen zwischen Kunden und Coach. Bei dieser ersten Kontaktanbahnung sollten die Erwartungen geklärt werden, die der Kunde mitbringt. Beim Kennenlernen sind auch mögliche Verflechtungen zwischen Coach und Kunden, die inhaltliche oder beziehungsbezogene Problemstellung sowie die vertraglichen Rahmenbedingungen Thema.

Kontrakt

Hier wird der Grundstein für die Arbeitsbeziehung gelegt. Wenn der Kunde von einem Auftraggeber zum Coaching geschickt wird, muss das Coaching für alle Seiten (Kunde, Auftraggeber, Coach) transparent gehandhabt werden. Bei den weitergehenden Vereinbarungen stellt sich auch die Frage, ob der Coach in Bezug auf die Problemstellung geeignet ist, also über genügend Fachkompetenz oder auch professionelle Distanz verfügt.

Ziele

Das Ziel einer Sitzung kann mit folgender Frage konkretisiert werden: „Worum soll es genau gehen und was wollen Sie in der heutigen Sitzung erreichen?“ (S. 38). Hierbei kann direkt die Soll-Situation vom Kunden beschrieben werden oder diese Zielerreichung auch aus der Beschreibung der Ist-Situation heraus entwickelt werden. Zur Erfassung der Ist-Situation sind Fragen nach dem Problem, nach der Ursache und möglichen Erklärungsversuchen, nach bisherigen Lösungsansätzen, nach Kosten und Nutzen sinnvoll.

Lösungen

In dieser Phase werden Lösungen entwickelt. Der Coach gestaltet dabei in der Rolle eines „Steuermanns“ den Findungsprozess. Hierbei können bisherige Lösungsversuche oder auch das Lösungsverhalten aus anderen Lebensbereichen analysiert werden. Zudem wird nach neuen Lösungen gesucht. Dabei ist es wichtig, dass der Kunde erkennt, wann genau eine Lösung gut ist, und welche Kosten und welcher Nutzen mit ihr verbunden sind.

Transfer

Wenn die Lösung klar ist, gilt es, sie in den Arbeitsalltag zu übersetzen und zu handeln. Dabei werden das Verhalten und mögliche Hürden oder Erleichterungen umrissen. Zum konkreten Üben bieten sich hier auch „Hausaufgaben“ an, die der Kunde zwischen den Sitzungen bearbeitet.

Abschluss

In der Abschlussphase werden das Coaching ausgewertet und der Abschied vorbereitet. Lippmann greift dabei die Empfehlung von Schmidt (2004) auf, den Abschluss schon einzuleiten, wenn 60 bis 80 Prozent der Anliegen bearbeitet wurden und nicht erst 100 Prozent.

(Quelle: Wirtschaftspsychologie-aktuell.de/05. August 2009)

Weiterführende Informationen:

Lippmann, E. (Hrsg.). (2009). Coaching: Angewandte Psychologie für die Beratungspraxis (2., aktualisierte Aufl.). Heidelberg: Springer.

Schmidt, G. (2004). Liebesaffären zwischen Problem und Lösung: Hypnosystemisches Arbeiten in schwierigen Kontexten (2. Aufl.). Heidelberg: Carl Auer.

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